„Runter vom Gas“: Kinder ersetzen KI-Entwürfe und Schockbilder auf 700 Autobahnplakaten
„Finger vom Handy!“ steht ab Anfang Oktober in Kinderschrift an deutschen Autobahnen. Die Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ zeigt auf rund 700 Plakatflächen sieben neue Motive, gezeichnet von Kindern. Die Entwürfe, über die das Publikum im Juni 2026 abgestimmt hatte, waren noch mit KI gestaltet. Jetzt ersetzen echte Zeichnungen sie.
Vorgestellt haben die Plakate am 28.09.2026 Verkehrsminister Steffen Bilger und DVR-Vizepräsidentin Christiane Leonard, so die Pressemitteilung des DVR. Ursprünglich waren drei Motive vorgesehen. Wegen der vielen Einsendungen sind es erstmals sieben. Sie behandeln die drei häufigsten Unfallursachen auf Autobahnen: zu wenig Abstand, zu hohes Tempo, Ablenkung am Steuer. Auffällig viele Kinder malten Smartphones.
Der Weg dahin war ungewöhnlich lang. Im November 2025 fragte die Kampagne nach Botschaften für andere Autofahrer, daraus entstanden drei Serien: „Kinderzeichnungen“, „Totenillustrationen“ und „Leichensäcke“. Bei der Abstimmung im Juni 2026 lagen die Kinderzeichnungen vorn, die Leichensäcke landeten auf Platz drei. Danach riefen Ministerium und DVR zur Malaktion auf, mit der die besten Einsendungen die KI-Motive ersetzen sollten.
Bemerkenswert ist das für eine Kampagne, die seit 2008 läuft und oft mit harten Bildern gearbeitet hat. Laut HORIZONT setzten Ministerium, DVR und Stammagentur Scholz & Friends häufig auf Schockmotive. Die Agentur betreut die Kampagne demnach seit 2016 und übernahm diesmal nur den Feinschliff. Ein Auftraggeber, der seine Zielgruppe über den Ton abstimmen lässt, gibt Kontrolle ab und bekommt dafür Rückhalt für den Kurswechsel.
Die Gegenposition steckt im Ergebnis selbst: Die Totenillustrationen kamen auf Platz zwei, ein Teil des Publikums wollte also weiter schockiert werden. Ob die freundlichere Ansprache wirkt, müsste sich an Abstand und Tempo auf der Autobahn zeigen, nicht an der Zahl der Einsendungen.