Ein-Klick-Ablehnung im Digital Omnibus: Verlage sehen ihre Werbefinanzierung in Gefahr

Das Wichtigste in Kürze
- Nach Darstellung von BDZV und MVFP sieht die Ratsposition zum Digital Omnibus eine Ablehnung mit nur einem Klick und Einschränkungen für erneute Einwilligungsabfragen vor.
- Die verpflichtende zentrale Einwilligungsverwaltung ist laut den Verbänden vom Tisch; Deutschland hat der Ratsposition nicht zugestimmt.
- Die Verbände fordern vom Europaparlament rechtssichere Regeln für werbefinanzierte Angebote einschließlich Consent-or-Pay.
Ein Klick auf „Ablehnen“, und das Banner ist weg, ohne Umweg über Einstellungen und Untermenüs. Was für Leser bequem klingt, halten die Presseverbände für das eigentliche Risiko im Digital Omnibus. Nach Darstellung von BDZV und MVFP sieht die Position, die der Rat der EU am 21. Oktober beschlossen hat, eine Ablehnung mit nur einem Klick vor, dazu weitreichende Einschränkungen, wenn Websites erneut um Einwilligung bitten.
In ihrer gemeinsamen Mitteilung vom 23. Oktober sprechen der Zeitungsverlegerverband und der Medienverband der freien Presse von einer Gefahr für die wirtschaftliche Basis werbefinanzierter Redaktionen. Ein Erfolg ist aus ihrer Sicht nur verbucht: Eine verpflichtende zentrale Einwilligungsverwaltung, die sie als existenzbedrohend für die Presse sehen, konnte verhindert werden. Bemerkenswert ist der Hinweis, dass die Bundesregierung der Ratsposition nicht zugestimmt hat. Mit ihren Forderungen zum Schutz der Presse kam sie laut den Verbänden nur teilweise durch.
Die Mitteilung des Rates selbst stellt eine andere Seite in den Vordergrund: zusätzliche Zwecke, für die keine Einwilligung mehr nötig sein soll, etwa die Reichweitenmessung, und damit weniger Cookie-Banner. Über diesen Teil hat Adwoche am 22. Oktober berichtet. Zusammen ergibt sich ein Bild, das für Vermarkter zwiespältig ist: Die Messung würde vollständiger, die Zustimmung zur Werbung aber leichter verweigert und schwerer zurückgewonnen. Gerade die erneute Abfrage dürfte für viele Verlage der Hebel sein, mit dem sie verlorene Zustimmung zurückholen.
BDZV und MVFP verlangen deshalb vom Europaparlament, die Ein-Klick-Regel und die Grenzen für neue Abfragen grundlegend zu überarbeiten und Consent-or-Pay rechtssicher zu machen, also das Modell „Werbung mit Tracking oder Abo“. Der Rat sieht in seiner Linie das Gegenteil einer Belastung: Er will nach eigenen Worten die Regeln einfacher machen und Kosten senken. Welche Lesart sich durchsetzt, entscheidet das Parlament mit, das seine Position noch festlegen muss.



