Medienhäuser verlieren Reichweite an KI, der BR baut einen eigenen Assistenten

Das Wichtigste in Kürze
- Im KI-Reifegrad-Report 2026 von BDZV und Retresco melden 38 Prozent der befragten Medienhäuser deutliche Reichweitenrückgänge.
- 79 Prozent haben eine KI-Strategie, aber nur 20 Prozent messen ROI oder andere KPIs mit belastbaren Zahlen.
- Der BR hat einen News-Assistenten gestartet, der Fragen nur auf Basis von BR24- und Tagesschau-Inhalten beantwortet und seine Quellen verlinkt.
38 Prozent der befragten Medienhäuser stellen deutliche Reichweitenrückgänge fest. Das steht im KI-Reifegrad-Report 2026, den der Verlegerverband BDZV und der KI-Dienstleister Retresco am 13. Oktober veröffentlicht haben. Am selben Vormittag hat der Bayerische Rundfunk einen News-Assistenten gestartet, der Nachrichten von BR24 und Tagesschau per KI zusammenfasst und Fragen dazu beantwortet.
Die Lücke zwischen Erwartung und Ergebnis zieht sich durch die Befragung von 114 Führungskräften und KI-Verantwortlichen, erhoben von April bis Juni 2026 und nach Angaben der Herausgeber nicht repräsentativ. Eine KI-Strategie haben inzwischen 79 Prozent, ein Plus von 19 Prozentpunkten binnen eines Jahres. Kennzahlen definiert haben 61 Prozent, mit belastbaren Zahlen messen aber nur 20 Prozent den ROI oder andere KPIs. Kosteneinsparungen erwarteten 63 Prozent, gemessen haben sie ebenfalls nur 20 Prozent. Die gesunkenen Hoffnungen auf mehr Reichweite bringen die Autoren mit Google AI Overviews, dem AI Mode und anderen KI-Suchen in Verbindung. „Die Honeymoon-Phase ist vorbei“, sagt Holger Kansky, beim BDZV für Digitales und Vermarktung zuständig.
Der BR setzt dort an, wo die Reichweite hinwandert. Sein Assistent liefert Zusammenfassungen, Zeitleisten und Begriffserklärungen, der Chat antwortet ausschließlich auf Basis von BR24- und Tagesschau-Beiträgen und verlinkt die verwendeten Quellen. Technisch läuft das über Retrieval-Augmented Generation. Gebaut hat ihn das BR AI + Automation Lab mit der ARD Tech-Unit; er startet als Beta und soll später für die Tagesschau und alle Landesrundfunkanstalten weiterentwickelt werden. „So erreichen wir auch Menschen, die sich per KI informieren“, sagt der ARD-Vorsitzende Florian Hager.
Für private Verlage und ihre Vermarkter ist das die unbequemere Hälfte der Nachricht. Wer Reichweite an KI-Oberflächen verliert, verliert Inventar. Ein eigener Assistent hält Leser im eigenen Umfeld, eröffnet aber noch keinen Werbeplatz. Vermarkter versuchen es deshalb von der anderen Seite: IQ Digital verkauft Sichtbarkeit in KI-Antworten inzwischen als eigenes Produkt. Entscheidend wird, ob die 14 Prozent bei der Nutzerbindung in der nächsten Ausgabe des Reports wachsen; erst dann dürften sich die KI-Angebote der Häuser auch rechnen.



