Social-Media-Verbot unter 13: Was die Eckpunkte für Werbung bei Kindern ändern

Das Wichtigste in Kürze
- Die Bundesregierung hat am 14. Oktober 2026 Eckpunkte zum Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen.
- Per nationaler Übergangsregelung sollen Kinder unter 13 Jahren grundsätzlich keine sozialen Netzwerke nutzen dürfen, nachweislich kindgerechte Angebote ausgenommen.
- Laut KINDER MEDIEN MONITOR 2026 nutzen schon 74 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen mit Erlaubnis Tablet, Smartphone oder beides.
Die Bundesregierung hat am 14. Oktober Eckpunkte zum Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Für die Werbebranche zählt vor allem ein Punkt: Solange die EU kein Mindestalter festlegt, sollen Kinder unter 13 Jahren per nationaler Übergangsregelung grundsätzlich keine sozialen Netzwerke mehr nutzen dürfen. Wer Spielzeug, Snacks oder Familienangebote über Creator und Feeds bewirbt, plant damit absehbar mit einem kleineren Kanal.
Nicht betroffen wären Dienste, die nachweislich kindgerecht sind. Wer 13 bis 18 Jahre alt ist, soll soziale Netzwerke nutzen dürfen, aber mit abgestuften Beschränkungen. Das Alter soll ab 2027 die deutsche Umsetzung der EUDI-Wallet prüfen, sie heißt „d-you“. Parallel verhandelt Berlin über den EU KIDS Act. Dort will die Regierung durchsetzen, dass algorithmische Empfehlungssysteme standardmäßig deaktiviert sind und suchtfördernde Designs gar nicht erst entstehen. Der Kommissionsvorschlag reicht über soziale Netzwerke hinaus und regelt auch Online-Games, App-Stores, Betriebssysteme und KI-Begleiter. Grundlage sind 56 Empfehlungen einer Expertenkommission, die ihren Abschlussbericht am 11. September vorgelegt hat. Ministerin Karin Prien formuliert die Richtung so: „Wir nehmen die Plattformbetreiber konsequent in die Pflicht.“
Die Kids-Vermarkter liefern die Gegenrechnung#
Wie früh Kinder digital unterwegs sind, zeigt der KINDER MEDIEN MONITOR 2026, den Ad Alliance am selben Tag vorgestellt hat: Schon bei den Vier- bis Fünfjährigen erlauben die Eltern in 74 Prozent der Fälle Tablet, Smartphone oder beides. Beim Bewegtbild liegen Disney und TOGGO vorn, danach folgen KiKA und YouTube. TOGGO erreicht über TV, Streaming, Gaming und Audio 72 Prozent der Vier- bis 13-Jährigen, das sind 5,78 Millionen Kinder. Alle Angebote von RTL Deutschland zusammen kommen auf 80 Prozent.
Das ist die Gegenrechnung der Sender: Reichweite bei Kindern gibt es auch ohne Feed, in Umfeldern, die redaktionell verantwortet sind. Für Marken mit jungen Zielgruppen dürfte der Mix in Richtung Kids-TV, Streaming-Apps, Audio und Games wandern, während Creator-Kooperationen genauer auf das Alter der Follower geprüft werden müssen. Ein Gewinner steht trotzdem nicht fest. Welche Dienste als „nachweislich kindgerecht“ gelten, lassen die Eckpunkte offen, und einen Termin für das Gesetz zur Übergangsregelung nennt die Mitteilung nicht. Erst die Liste der Ausnahmen wird zeigen, ob Videoplattformen mit Kinderbereich drinnen oder draußen sind.



