Info-Quote im Kurzvideo-Feed: Zehn Prozent Nachrichten senken die Zufriedenheit nicht
Das Wichtigste in Kürze
- In einem Experiment mit 1.156 Kurzvideo-Nutzenden blieb die Zufriedenheit mit dem Feed bei 0, 10, 20 und 30 Prozent Informationsanteil gleich.
- Schon ab 10 Prozent stiegen die wahrgenommene Informativität und Themenvielfalt; 30 Prozent brachten keinen zusätzlichen Nutzen.
- Auch die Verweildauer im Feed unterschied sich zwischen den Versuchsgruppen nicht.
- BLM und Landesanstalt für Medien NRW halten eine Quote zwischen 10 und 20 Prozent für geeignet, falls die Länder eine solche Vorgabe einführen.
Zehn Prozent Nachrichten im Feed reichen, damit Nutzende ihn als informativer und vielfältiger erleben, und die Zufriedenheit leidet nicht. Das ist der Kern einer Studie, die die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) und die Landesanstalt für Medien NRW am 5. Oktober 2026 vorgestellt haben. Sie liefert die ersten Experimentdaten zu einer Frage, die Plattformen, Medienhäuser und Werbekunden gleichermaßen betrifft: Was passiert, wenn ein Gesetz einen Mindestanteil journalistischer Inhalte im Feed vorschreibt?
Gearbeitet haben Valerie Hase von der Universität Klagenfurt und Tobias Füchslin mit einem nachgebauten, nicht personalisierten Feed im Stil von TikTok oder Instagram. Zufällig verteilt sahen die Teilnehmenden einen Informationsanteil von 0, 10, 20 oder 30 Prozent. Als Information zählten Videos journalistischer Angebote, öffentlich-rechtlicher wie privater, darunter ARD, ZDF, ntv, WELT und BILD.
Das Ergebnis laut Studie: Die Zufriedenheit blieb über alle Stufen gleich. Informativität und Themenvielfalt stiegen ab 10 Prozent, die Informativität tendenziell noch einmal bis 20 Prozent; 30 Prozent brachten nichts mehr dazu. Auch die Zeit, die die Teilnehmenden im Feed verbrachten, unterschied sich zwischen den Gruppen nicht. Und ein Label „Informationsinhalt“? Bemerkte nur eine Minderheit. Es änderte nichts.
Eine Quote wäre für Plattformen kein Reichweitenrisiko#
Für die Debatte um den Digitale-Medien-Staatsvertrag ist das ein Argument der Regulierer: BLM-Präsident Thorsten Schmiege sieht die Plattformen „in die Pflicht“ genommen. Eine Quote ist damit nicht beschlossen, die Autoren schränken selbst ein, dass sich die Befunde nicht vollständig auf personalisierte Feeds im Alltag übertragen lassen.
Für Medienhäuser wäre eine solche Vorgabe ein Hebel für Sichtbarkeit, die sie über den Algorithmus heute kaum steuern können. Vor der Bundestagswahl 2025 machten klassische Informationsinhalte bei TikTok laut der in der Studie zitierten Forschung nur etwa ein Prozent des Feeds aus. Für Werbekunden spricht das Experiment eher gegen die Sorge, Nachrichten im Feed vertrieben Nutzende aus dem Werbeumfeld: Verweildauer und Zufriedenheit blieben stabil.
Die Zahl, an der sich die Debatte festmachen dürfte, steht damit fest: Zwischen 10 und 20 Prozent Informationsanteil halten die beiden Medienanstalten für geeignet, falls die Länder eine Quote einführen. Sieht ein Entwurf mehr vor, dürften die Plattformen auf den fehlenden Zusatznutzen bei 30 Prozent verweisen.



