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Media Sovereignty Index: Ein Selbsttest, dessen Anbieter auch die Beratung verkauft

Der kostenlose Test fragt in sechs Dimensionen nach Kontrolle über Media und Daten. Der Anbieter berät selbst zu genau diesen Themen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unbound Media hat mit der Hochschule Düsseldorf den Media Sovereignty Index entwickelt, einen kostenlosen Selbsttest zur Abhängigkeit im Media- und Daten-Setup.
  • Der Quick-Check hat zwölf Fragen, mit 18 weiteren entsteht ein Score von 0 bis 100 über sechs gleich gewichtete Dimensionen.
  • Der Score misst laut Anbieter Abhängigkeit statt Media-Qualität, beruht auf Selbstauskunft und vergleicht Unternehmen nicht miteinander.
  • Unbound Media berät selbst zu Media-, Daten- und Measurement-Architektur; die Testseite führt direkt zu diesen Leistungen.

Die Düsseldorfer Agentur Unbound Media bietet Werbungtreibenden einen kostenlosen Selbsttest zur Frage an, wie abhängig ihr Media- und Daten-Setup ist. Den Media Sovereignty Index (MSI) hat sie nach Angaben von MEEDIA vom 7. Oktober 2026 mit der Hochschule Düsseldorf entwickelt. Der Test steht online bereit. Zugleich verkauft Unbound Media die Beratung, die auf ein schwaches Ergebnis folgen kann.

Der Quick-Check umfasst zwölf Fragen, mit 18 weiteren entsteht der volle Score zwischen 0 und 100. Alle sechs Dimensionen zählen gleich viel:

Dimension Worum es bei den Fragen geht
Resilienz und Handlungsfähigkeit Liegen Planung und Einkauf bei verschiedenen Partnern, existiert ein Notfallplan, wie stark hängt das Budget an einzelnen Plattformen?
Datenkontrolle und Transparenz Wer greift auf welche Daten zu, und lassen sie sich beim Wechsel des Partners mitnehmen?
Beratungsneutralität Sind Empfehlungen frei von fremden Interessen und von Konzern- oder Tech-Bündelung?
Identitäts-Souveränität Liegt die Verknüpfung der Identitätsdaten im eigenen Haus, auf First-Party-Basis?
Kosten- und Buying-Transparenz Wie viel vom Budget landet in Media statt in Margen, Fees und Rabatten?
Wirkungsmessung Sind Aktivierung und Messung getrennt, und belegen Daten den Geschäftsbeitrag?

Was der Score nicht sagt#

Gemessen wird nach Darstellung der Seite die Abhängigkeit gegenüber der Kontrolle, nicht die Qualität der Media-Arbeit. Ein Vergleich mit anderen Unternehmen ist laut MEEDIA nicht vorgesehen. Nicht der Durchschnitt zählt, sondern die schwächste Dimension, und die Auswertung beruht allein auf Selbstauskunft. Ergebnisse echter Unternehmen nennen weder die Seite noch MEEDIA, die Seite zeigt nur einen Beispiel-Score.

Wer den Maßstab setzt#

Unbound Media beschreibt sich auf der Seite als unabhängige Beratung für Media-, Daten- und Measurement-Architektur, ohne Konzernbindung und ohne Provisionen von Plattformen. Gründer und Inhaber Markus Biermann nennt Unabhängigkeit dort „kein Feature“, sondern das Geschäftsmodell. Unter dem Test geht die Seite nahtlos in das Angebot über: von Strategie und Architektur über Planung und Buying bis zu Independent Measurement. Zur Dimension Kosten- und Buying-Transparenz passt im Angebot das „transparente Billing“.

Das macht den Test nicht wertlos, aber er ist auch Akquise. Der Anlass ist dagegen real: Nach einer VAUNET-Prognose, über die Adwoche berichtet hat, bündeln 2026 nur wenige globale Plattformen 72 Prozent der deutschen Instream-Werbeumsätze, und Google, Microsoft und Taboola haben im September Leitungen zu den Kundendaten der Werbungtreibenden angekündigt. Wie belastbar ein Selbsttest ist, hängt am Ende an den Fragen, die ein Team nicht beantworten kann: Schon das, so die Seite, sei ein Befund.

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