Google, Microsoft und Taboola bauen Datenleitungen zu den Kundendaten der Werbungtreibenden
Das Wichtigste in Kürze
- Google integriert seinen Data Manager in Analytics und DV360; laut Google stieg der inkrementelle ROAS bei Werbetreibenden mit Offline- und App-Daten im Schnitt um 26 Prozent.
- Laut Microsoft (30.09.2026) sind HubSpot-Kontakte in Microsoft Advertising nutzbar; Taboola nennt für seine Realize ID eine bis zu 2,4-fache Conversion-Effizienz.
- Gemini Direct macht deutsche Konsumentendaten über LiveRamp für CTV, Social, Display und Audio verfügbar.
- Die Wirkungszahlen sind Eigenangaben mit unterschiedlichen Kennzahlen und lassen sich nicht vergleichen.
Inhalt
Im September haben Google, Taboola und Microsoft Wege angekündigt, wie Kundendaten der Werbungtreibenden direkt in ihre Systeme fließen sollen. Die Angebote unterscheiden sich im Detail, verfolgen aber dasselbe Ziel: Wer die Leitung zu den Kundendaten hat, steuert die Auslieferung. Die dazugehörigen Wirkungsversprechen sind Herstellerangaben ohne gemeinsamen Maßstab.
Die Leitungen im Überblick#
| Anbieter | Was angekündigt wurde | Welche Kundendaten fließen | Genannte Wirkung (Eigenangabe) |
|---|---|---|---|
| Google (10.09.2026) | Data Manager in Analytics und DV360, Data Manager API für alle | Offline- und App-Daten, Conversions über den Google-Tag | +26 % inkrementeller ROAS im Schnitt |
| Taboola (22.09.2026) | Realize ID | Verhalten im eigenen Netzwerk, gehashte E-Mail-Adressen aus CRM | bis zu 2,4-fache Conversion-Effizienz |
| Gemini Direct (25.09.2026) | Aktivierung über LiveRamp | Konsumentendaten aus dem Direktmarketing | keine Angabe |
| Microsoft (30.09.2026) | Anbindung an HubSpot | CRM-Kontakte, Leads, Deals | keine Angabe |
Google setzt auf eigene Daten und einen Branchenstandard#
Google will den Data Manager direkt in Google Analytics und Display & Video 360 einbauen, damit Werbetreibende eigene Daten über mehrere Werkzeuge verwalten und aktivieren (Google, 10.09.2026). Die Data Manager API bezeichnet Google nun als universell, sie folgt dem Standard ECAPI (Event and Conversions API) des IAB Tech Lab. Neu ist eine Kennzahl in Google Ads, die misst, wie viele zusätzliche Conversions die eigene Datenbasis zurückholt. Die genannte Wirkung von 26 Prozent mehr inkrementellem ROAS gilt im Schnitt für Werbetreibende, die Offline- und App-Daten anbinden, und ist eine Angabe von Google.
Taboola, Gemini Direct und Microsoft wählen den Umweg über den Partner#
Taboola baut mit der Realize ID auf Daten aus dem eigenen Publisher- und Werbegeschäft, Werbetreibende können gehashte E-Mail-Adressen aus dem CRM, eigene Kennungen und mehr als 15 Datenplattformen anschließen, auch Clean Rooms sind vorgesehen. Die bis zu 2,4-fache Conversion-Effizienz ist eine Angabe von Taboola selbst (Taboola; ADZINE). Der Idsteiner Datenanbieter Gemini Direct macht seine Zielgruppen über die Identitätsinfrastruktur von LiveRamp für CTV, Social, Display und Audio verfügbar (ADZINE). Microsoft wiederum koppelt HubSpot an: Kontakte aus dem CRM werden zu Zielgruppen, Klicks lassen sich Kontakten und Deals zuordnen (Microsoft Advertising). Wie weit die Anbindung in Europa trägt, steht im Beitrag zur HubSpot-Kopplung.
Warum sich die Zahlen nicht vergleichen lassen#
Google misst inkrementellen ROAS, Taboola Conversion-Effizienz, Microsoft nennt keine Zahl. Die Kennzahlen haben eine unterschiedliche Basis, und in den herangezogenen Mitteilungen steht nicht, gegen welche Vergleichsgruppe gemessen wurde. Für Werbetreibende mit eigenem CRM heißt das: Dieselben Kundendaten wandern womöglich in mehrere Systeme, und jedes meldet seinen Erfolg nach eigenem Maß. Schon im Taboola-Beitrag zeigte sich dasselbe Muster.
Sinnvoll dürfte es sein, vor jedem Einspielen festzulegen, welche Liste in welches System fließt, und den Nutzen mit einem eigenen Test gegen eine Kontrollgruppe zu messen, statt der Herstellerzahl zu folgen. Erst wenn die Anbieter ihre Methodik offenlegen, lassen sich ihre Zahlen überhaupt nebeneinanderlegen.

